Gewinnertext von Pauline Füg

kauf mir ein zelt

kauf mir ein zelt
ich möchte kein haus
ich möchte ein zelt
das du mir auf die dächer schlägst
die nägel in dachpappe brennst
nahe bei den vögeln
die papier sein könnten
oder schon fort
gezogen
an den haaren wie kleine pflanzen
rankt sich dein versuch
mich bleiben zu machen
an mir hoch

kauf mir ein zelt
in dem wir wie nomaden
liebend immer weiterziehen können
- an uns vorbei

ich möchte gehen können
ohne genauen punkt
oder die uhrzeit zu nennen
oder die frage nach dem weshalb

kauf mir ein zelt
und zeiten später
seh ich wie du schläfst
bei den wolkenkratzern
in den schluchten meiner geronnenen finger
am fuße der gegenwart
am rande keiner verzweiflung
die länger hält als eine nacht
und ich werde dich wecken
windbeweht
mein haar im sturm
gewehre auf der brust
der wunde vogel schlägt nicht mehr
lange sage ich nichts
schließlich
bleib und zieh mit mir
mit den zugvögeln fort
zwischen den flügeln der städte
möchte ich wohnen
mit dir
bisweilen
mit dir

und wenn ich dann nachtigall bin und du rauchschwalbe
bleibt es fast lautlos
während ich die plane löse
ein leises geräusch von aufbruch
und
ich
ziehe fort

es bleibt fast lautlos
während ich die pläne schmiede
hatten wir noch gehofft
durch die straßen die nacht um den abend zu bringen
mit all den blauen flecken auf dem herz
muskelkater dazu
vom vielen davonziehen

unsere atemfrequenz ist pulsnah
widerspenstig
beim
luft holen
aber bleiben können wir dennoch nicht
ohne etwas zu greifen
von uns
-du schläfst-
und wir sind so hohl und so fort von allem und außerhalb

kauf mir ein zelt
denn alle definitiven dinge
machen mir angst

und wenn wir ziehen
mit den zugvögeln fort
drehst du  dich im vorüberfliegen
und sagst
in den zügen ist es nie angenehm temperiert
ich hatte gehofft etwas greifen zu können
die idee dieser stadt
oder wie du bist vielleicht
und ich lag wach vor nächten
vom sehnen nach schlaf
und eiskönigins splitter
noch in der pupille

kauf mir ein zelt
antworte ich
oder ein schiff
das nicht immer ankern kann
an den häfen
der wilden städte im winter
ein gras
das zerfällt
und einen sand der mir die zeit
nicht mehr sagen kann
kauf mir ein zelt
oder einen hut für den weg nach dir
nach dir
dir nach

kauf mir ein zelt
oder etwas
das nur manchmal bei mir bleibt
einen vogel vielleicht
eine katze bei nacht
und einen trost für den tag darauf

 

Kategorien Portraits

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