1. Mainburger Poetry-Slam

Der Club der schnellen Dichter

MAINBURG - Literatur bedeutet nicht immer dicke Schmöker und lange Lesenächte auf dem Sofa. Literatur kann auch auf der Bühne in rasantem Tempo stattfinden - so geschehen beim 1. "Poetry Slam" am Donnerstagabend im LSK-Theatersaal. Acht Schüler des Gabelsberger-Gymnasium stellten ihre größtenteils selbstverfassten Texte im Drei-Minuten-Takt auf der Bühne vor.

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Ein Applaus-O-Meter ermittelte für jeden Teilnehmer den stärksten Beifall. Die 16-jährige Christine Gottwald gewann und darf sich auf eine von der Stadt gestiftete Ballonfahrt freuen.

In Großstädten wie München oder Regensburg sind "Poetry Slams" schon seit einigen Jahren populär. Kulturreferent Bernd Friebe nahm die Anregung einer solchen Veranstaltung auf einer Kulturarbeitskreistagung der Städte mit. Mit Gymnasiasten eines Literaturkurses, den Studienrätin Dagmar Wüst leitet, wurde die Idee umgesetzt. "Es handelt sich aber um keine Faschingsveranstaltung", betonte Friebe schmunzelnd, wenngleich der "Slam" zu Beginn des solchen stattfand.

Trotzdem waren viele der Texte humorvoll mit Pointen gespickt. Aber auch Nachdenkliches war in die Drei-Minuten-Stücke verpackt, und die rund 70 Zuschauer waren erstaunt, auf welch oft hohem Niveau die jungen Literaten ihre Gedanken zu Blatt brachten. Ob gereimt oder in Rap-Form, abgelesen oder auswendig vorgetragen, mit viel Pathos und mal schnell oder langsam - das Zuhören wurde nie langweilig, und gerne lauschte man den 13- bis 17-Jährigen und ihrer in Worte gefassten Sicht der Welt.

Durchsetzen konnte sich schließlich in Sachen Applaus-Lautstärke die 16-jährige Christine Gottwald mit zwei Texten über seltsame Namensgebungen und "Schafe". Sie gewann eine von der Stadt gestiftete Ballonfahrt und kann so auch einmal nicht nur literarisch in höheren Sphären schweben. Alle anderen Teilnehmer des äußerst fairen Wettbewerbs bekamen für ihren Mut, eigene Texte auf der Bühne vorzutragen, als Anerkennung T-Shirts.

Umrahmt wurde der "Poetry Slam" von zwei Bands, die sich ebenfalls aus Schülern des Gymnasiums zusammensetzten. Der Laienspielkreis hatte für die Veranstaltung seinen Theatersaal samt Technik und Soundanlage zur Verfügung gestellt. Sowohl Dagmar Wüst als auch Bernd Friebe hoffen auf eine Wiederholung der Veranstaltung im nächsten Jahr. "Damit wir auch das Gymnasium aus seinem Elfenbeiturm holen und kulturell mit in unser Stadtleben einbauen können," meinte Bernd Friebe abschließend augenzwinkernd.

Ellen Kellerer, Hallertauer Zeitung, 13.11.10

Online-Artikel der Hallertauer Zeitung