Comic-Lesung in Coburg

Schwarzer Kater jagt den Mörder in der Reithalle

COBURG - Der "Freistaat Coburg" lebt! Die erste Ausgabe der neuen Theaterreihe brachte am Freitag in der mit jungem Publikum proppenvollen Reithalle gleich ein geradezu tierisches Vergnügen, exzellente Comic-Zeichenkunst, darstellerischen Einfallsreichtum und musikalische Stimmung aufs vergnüglichste vereinend.

Ein schwarzes, meisterhaftes Comicbuch steigt ins Dreidimensionale. Die mörderische Geschichte um den existentialistisch düsteren Menschenkater Blacksad von Días Canales, gezeichnet von Juanjo Guarnido, erhielt in dieser witzigen Aufbereitung erstaunliches theatrales Leben.

Schauspieldramaturg Georg Mellert und Regieassistent Michael Götz, die Macher der neuen experimentellen Theaterreihe, bei der Theaterangehörige wie Besucher all das ausprobieren dürfen, was sie künstlerisch oder auch nur einfach spielerisch längst einmal tun wollten, projizierten die diffizilen Comicbilder einzeln oder geschickt kombiniert hinter vier Leser.

Die stimmlich und imitatorisch erstaunlich begabte Tänzerin Tanja Probst, die Sopranistin Ulrike Barz, der Gastschauspieler Peter Wagner und Gastregisseur Tobias Materna lasen szenisch witzig und sehr lebendig die aus den Projektionen entfernten Texte. Sie grunzen und grummeln und philosophieren abgrundtief und erwecken einen ganzen Großstadtdschungel lautmalerisch zum Leben. Einfach herrlich.

Zu einem guten "Film", auch zu so einem reizvoll auf das allerwesentlichste komprimierten "Comic-Halbfilm" gehört Stimmung tragende Musik. Die lieferte eine eigens für diesen Anlass gegründete Spontanband aus Michael Götz (Saxophon), Boris Stark und Francis Maheux (Gitarren), Dietmar Engels (Bass). Alles zusammen: Perfekt. Und zur Wiederholung empfohlen.

Georg Mellert aber sagt: Jeder "Freistaat" an jedem dritten Freitag im Monat, soll einmalig sein. Hmmm. Naja! Vielleicht.

Von Carolin Herrmann, erschienen im Coburger Tagblatt, 15.11.2010.